Der Arbeitskreis hat im Jahr 2020 durch den ExStra-Fonds: Transfer@UHH der Universität Hamburg eine Förderung erhalten, um die eigenen Dienstleistungen effektiver und unbürokratischer mehr Menschen, aber auch Familiengerichten anbieten zu können.

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Anonymes Gutachten zur Ausschreibung:

„Das Projekt, das hier beantragt wird, befasst sich mit einem
schwerwiegenden gesellschaftlichen Problem, dass gerade durch die persönliche Betroffenheit der beteiligten Parteien häufig eine objektive Betrachtung erschwert. Mit dem „Gutachten-TÜV“ soll die Qualität von Gutachten in familiengerichtlichen Entscheidungen geprüft, bewertet und verbessert werden. Auf Basis der dann möglichen objektiveren Einschätzung der Gutachten können die Gerichte ihre Urteilsfindung auf eine andere Basis stellen. Zudem sollte es leichter möglich sein, ein Einverständnis der Streitparteien über die Qualität und damit den Aussagewert des Gutachtens zu erzielen. Da es sich hier um einen äußerst sensiblen und von hohen Emotionen begleiteten Bereich der Rechtsprechung handelt, von dem gerade Kinder betroffen sind, scheint die Wirkung des Projektes sehr vielversprechend und nachhaltig.“  

Durch die „Hagener Studie“ von Salewski und Stürmer (2015) ist deutlich geworden, dass im Kontext familiengerichtlicher Gutachten es bedauerlicherweise noch zu viele Gutachtende gibt, die den Qualitätsstandards für psychologische Diagnostik nicht gerecht werden. Qualitätssicherungsbemühungen im Feld der Rechtspsychologie sind zwar getroffenen worden, doch noch nicht derart hinreichend, um diesen Missstand zu beheben. 

 

Betroffene Eltern und Kinder haben jedoch kaum die Möglichkeit, Mängel in psychologischen Gutachten selbst zu erkennen und auch RichterInnen im Familienrecht verfügen häufig nicht über die zusätzlich notwendige Ausbildung, um psychologische Gutachten fachlich würdigen zu können. 

 

Deswegen bietet der Arbeitskreis seine Expertise an, um psychologische Gutachten im Kontext des Familienrechts zu prüfen, damit die an einem Verfahren Beteiligten eine unabhängige und objektive Einschätzung der Qualität eines Gutachtens erhalten können. Diese Einschätzung kann den Gerichten zur Unterstützung der gerichtlichen Entscheidungsfindung vorgelegt werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn in einem Gutachten erhebliche methodische und handwerkliche Fehler auftreten, die einer Verwendung des Gutachtens als gerichtlicher Entscheidungsbasis entgegenstehen.   

STATEMENT

 
Überprüfung rechtspsychologischer Gutachten im Familienrecht

ANGEBOT

Der Arbeitskreis Qualitätsprüfung für psychologische Gutachten im Familienrecht bietet an, rechtspsychologische Gutachten methodenkritisch zu überprüfen.
 

Nach Überlassung des Gutachtens wird dieses von einem Mitglied des Arbeitskreises zunächst auf methodische Mängel hin überprüft. Potentiell auftretende Mängel werden im Arbeitskreis von einer zweiten Person erneut geprüft
(Vier-Augen-Prinzip).

Nach dieser Prüfung erfolgt eine Rückmeldung zur Qualität des Gutachtens und eine erste Einschätzung, ob das Gutachten wissenschaftlichen Anforderungen entspricht oder ob es grobe Mängel aufweist, welche allgemein gegen ein Heranziehen dieses Gutachtens als Grundlage für eine gerichtliche Entscheidung sprechen.
 

Sollten erhebliche Mängel in einem Gutachten ersichtlich geworden sein, kann vom Arbeitskreis Qualitätsprüfung für psychologische Gutachten eine methodenkritische Stellungnahme für ein gerichtliches Verfahren erstellt werden. Diese kann als Parteienvortrag in gerichtlichen Verfahren verwendet werden. 

 

METHODENKRITISCHE
 STELLUNGNAHMEN

Eine methodenkritische Stellungnahme kann als Parteienvortrag in einem familiengerichtlichen Verfahren vorgetragen werden. Obwohl eine solche Stellungnahme i.d.R. von einer der beiden Streitparteien bezahlt wird, stellt dies kein Gefälligkeitsgutachten dar. Es handelt sich vielmehr um eine wissenschaftliche Leistung, welche anhand von objektiven Kriterien die Qualität eines Sachverständigengutachtens im Familienrecht prüft und bewertet. Das Vier-Augen-Prinzip des Arbeitskreises Qualitätsprüfung soll neben der Objektivität dieser Prüfung auch dessen Reliabilität und Validität so weit wie möglich sicherstellen. Allgemein kann eine solche Stellungnahme nie die Empfehlungen eines Sachverständigengutachtens an sich kritisieren, da keine eigene Diagnostik mit den beteiligten Parteien durchgeführt wurde. Allerdings kann die Wissenschaftlichkeit (z.B. Objektivität, Erhebungsmethodik, Gültigkeit der psychologischen Schlussfolgerungen vor dem Hintergrund des aktuellen wissenschaftlichen

Forschungsstandes, Multimodalität des Vorgehens etc.) des Gutachtens geprüft werden und ermittelt werden, ob das Gutachten als eine Grundlage für eine richterliche Entscheidungsfindung verwendet werden kann bzw. ob derart gravierende Mängel vorliegen, dass dringend von einer Verwendung abgesehen werden sollte. 

 

Aufgrund bisheriger Erfahrungen muss leider „Selbstverständliches“ betont werden: Die Prüfung eines psychologischen Sachverständigengutachtens kann bezüglich dessen Qualität sowohl positiv wie negativ ausfallen. Eine „vernichtende Kritik“ oder gar polemische Kritik nur um der Kritik willen, mit dem einzigen Ziel, ein an sich methodisch hochwertiges Gutachten „egal mit welchen Mitteln“ auszuhebeln, wird es beim Arbeitskreis Qualitätsprüfung nicht geben. Wenn etwas qualitativ hochwertig ist, dann ist dies auch als dementsprechend anzuerkennen.

Gerichtspsychologisches Gutachten im Familierecht
 

KOSTEN

Die Prüfung eines gerichtspsychologischen Gutachtens im Familienrecht bedarf eines zeitlichen und personalen Aufwandes.
 

Für je 30 Seiten eines familienrechtspsychologischen Gutachtens kann ca. eine Arbeitsstunde zur Prüfung angesetzt werden. Hinzu kommt eine Stunde für den Austausch im Arbeitskreis über das Gutachten und die Befunde der Qualitätsprüfung (Vier-Augen-Prinzip).

Beratung und Rückmeldung über die Befunde der Qualitätsprüfung sind ebenfalls mit Zeitaufwand verbunden.

Die Erstellungskosten für eine methodenkritische Stellungnahme orientieren sich an der Mängelliste eines Gutachtens. Hier können nach unseren Erfahrungen durchaus zwischen (minimal) fünf und bis zu 12 (maximal) weitere zusätzliche Arbeitsstunden anfallen.
 

Allgemein wird eine Arbeitsstunde vom Arbeitskreis mit 100 € (exkl. Mehrwertsteuer) berechnet. 

 

KONTAKT

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Wir geben Ihnen innerhalb von 24 Std. eine Rückmeldung.

Vielen Dank für Ihre Nachricht!

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Dr. Nina Krüger 

Studium der Psychologie (Diplom) mit anschließender Promotion in Psychologie.

Seit 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Hamburg (Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik) tätig, davor u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Entwicklungspsychologie sowie als Lehrbeauftragte an unterschiedlichen Hochschulen. Seit 2016 in der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin, Fachkunde Verhaltenstherapie mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche und seit 2018 als klinische Psychologin tätig.

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Luca Smoydzin

Studium der Psychologie (Master of Science). 

 

Seit 2019 als Tutorin an der Universität Hamburg (Entwicklungspsychologische und pädagogische Begutachtung) tätig, davor als studentische Hilfskraft (Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik, Babylab Biologische Psychologie und Neuropsychologie). Seit 2018 als studentische Mitarbeiterin, sowie seit 2020 als Psychologin im Werner Otto Institut tätig. 

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Dr. Alexander Bodansky

Doppelstudium der Psychologie (Diplom) und Philosophie (M.A.) mit anschließender Promotion in Psychologie.

Seit 2014 als psychologischer Gutachter in familiengerichtlichen Fragestellungen und als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hamburg (Sozialpsychologie) tätig, davor als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fernuniversität in Hagen sowie als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg sowie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
(HAW - Soziale Arbeit). 

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Henrik Genzel

Studium der Psychologie (M.Sc.).

Seit 2020 als klinischer Psychologe tätig. Davor und immer noch in der Lehre zur psychologischen Begutachtung und Diagnostik an der Universität Hamburg tätig. Ab 2021 in der Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit der Fachkunde Verhaltenstherapie.

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Mieke Johannsen

Studium der Psychologie (M. Sc.)

Seit 2016 als studentische Hilfskraft (Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik) und seit 2017 als Tutorin an der Universität Hamburg (Praktische Übungen zu diagnostischen Verfahren, Psychodiagnostische Testverfahren, Entwicklungspsychologische und pädagogische Begutachtung) tätig. Seit 2018 Mitarbeit in der begabungspsychologischen Beratung der William-Stern-Gesellschaft für Begabungsforschung und Begabtenförderung e.V.

Download für psychologische Gutachter

Für die Teilnahme dieses Projektes am Hamburg Open Science Award 2020 wurde ein kurzes Video unter Coronabedingungen erstellt, welches dieses Projekt in spielerischer Weise vorstellt. Dieses ist hier einzusehen.

 

Sobald die ersten Stichproben ausreichend groß und aufbereitet sind, wird es hier einen Link zu den Normwertberechnungen für die sinnvollen Referenzstichproben geben. Wir hoffen dies bis April 2021 so weit zu haben.

Wenn Sie als Gutachtende/r Interesse an der Teilnahme an diesem Projekt haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie ebenfalls das Kontaktformular hier verwenden.

Projekt: Sinnvolle Referenzstichproben

Hier werden Exceltabellen angeboten, welche psychologische GutachterInnnen im Familienrecht potentiell nützlich finden könnten.
Damit lassen sich für einige gängige Verfahren die Mittelwerte der Skalen berechnen, so dass sich damit Zeit bei der Auswertung sparen lässt. 

Weiter lassen sich damit Konfidenzintervalle und auch kritische Differenzen berechnen. (Kritische) Rückmeldungen sind dazu herzlich erwünscht.

Mitglieder des Arbeitskreises bemühen sich darum, sinnvolle Referenzstichproben für psychologische Testverfahren zu erheben, um die (Daten-)Qualität von psychologischen Gutachten zu verbessern und treffendere Vergleiche von Testdaten vornehmen zu können.

Für eine genauere und detailliertere Projektvorstellung siehe: 

Bodansky, A. & Krüger, N. (2020). Äpfel mit Birnen vergleichen: Zum korrekten Einsatz von psychologischer Testdiagnostik und daraus folgende Konsequenzen im Kontext familienrechtspsychologischer Fragestellungen. Praxis der Rechtspsychologie, 30(1), 83-96.

(Der Artikel kann auf Anfrage über das Kontaktformular gerne zur Verfügung gestellt werden).

FÜR GUTACHTENDE