FAMILIENGUTACHTEN PRÜFEN LASSEN

  • Psychologische Gutachten können vor dem Familiengericht eine starke Bedeutung für den zukünftigen Lebensweg von Eltern und Kindern haben.
     

  • Der Arbeitskreis bietet an, psychologische Gutachten im Kontext des Familienrechts zu prüfen und anhand unserer Expertise Einschätzungen zu deren Qualität (fachlich, wissenschaftlich) vorzunehmen.

 
  • Sollte erhebliche Mängel in einem Gutachten ersichtlich geworden sein, kann nach Rücksprache mit den betroffenen Eltern vom Arbeitskreis für psychologische Gutachten eine methodenkritische Stellungnahme für ein gerichtliches Verfahren erstellt werden.

 
 
Überprüfung rechtspsychologischer Gutachten im Familienrecht

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METHODENKRITISCHE
STELLUNGNAHMEN

Eine methodenkritische Stellungnahme kann als Parteienvortrag in einem familiengerichtlichen Verfahren vorgetragen werden. Obwohl eine solche Stellungnahme i.d.R. von einer der beiden Streitparteien bezahlt wird, stellt diese kein Gefälligkeitsgutachten dar. Es handelt sich vielmehr um eine wissenschaftliche Leistung, bei welcher anhand von objektiven Kriterien die Qualität eines Sachverständigengutachtens im Familienrecht geprüft und bewertet wird. Das Vier-Augen-Prinzip des Arbeitskreises Qualitätsprüfung soll neben der Objektivität dieser Prüfung auch dessen Reliabilität und Validität so weit wie möglich sicherstellen. Allgemein kann eine solche Stellungnahme nie die Empfehlungen eines Sachverständigengutachtens an sich kritisieren, da keine eigene Diagnostik mit den beteiligten Parteien durchgeführt wurde. Allerdings kann die Wissenschaftlichkeit (z.B. Objektivität, Erhebungsmethodik, Gültigkeit der psychologischen Schlussfolgerungen vor dem Hintergrund des aktuellen wissenschaftlichen

Forschungsstandes, Multimodalität des Vorgehens etc.) des Gutachtens geprüft werden und ermittelt werden, ob das Gutachten als eine Grundlage für eine richterliche Entscheidungsfindung verwendet werden kann bzw. ob derart gravierende Mängel vorliegen, dass dringend von einer Verwendung abgesehen werden sollte. 

 

Aufgrund bisheriger Erfahrungen muss leider „Selbstverständliches“ betont werden: Die Prüfung eines psychologischen Sachverständigengutachtens kann bezüglich dessen Qualität sowohl positiv wie negativ ausfallen. Eine „vernichtende Kritik“ oder gar polemische Kritik nur um der Kritik willen mit dem einzigen Ziel, ein an sich methodisch hochwertiges Gutachten „egal mit welchen Mitteln“ auszuhebeln, wird es beim Arbeitskreis Qualitätsprüfung nicht geben. Wenn etwas qualitativ hochwertig ist, dann ist dies auch dementsprechend anzuerkennen.

KOSTEN

Die Prüfung eines gerichtspsychologischen Gutachtens im Familienrecht bedarf eines zeitlichen und personalen Aufwandes.
 
Für je 30 Seiten eines familienrechtspsychologischen Gutachtens kann ca. eine Arbeitsstunde zur Prüfung angesetzt werden. Hinzu kommt eine Stunde für den Austausch im Arbeitskreis über das Gutachten und die Befunde der Qualitätsprüfung (Vier-Augen-Prinzip).

Beratung und Rückmeldung über die Befunde der Qualitätsprüfung sind ebenfalls mit Zeitaufwand verbunden.

Die Erstellungskosten für eine methodenkritische Stellungnahme orientieren sich an der Mängelliste eines Gutachtens. Hier können nach unseren Erfahrungen zwischen 5 (minimal) bis 12 (maximal) zusätzliche Arbeitsstunden anfallen.
 

Allgemein wird eine Arbeitsstunde vom Arbeitskreis mit 100 € (exkl. Mehrwertsteuer) berechnet. 

HINTERGRUND

Durch die „Hagener Studie“ von Salewski und Stürmer (2015) ist deutlich geworden, dass im Kontext familiengerichtlicher Gutachten es bedauerlicherweise noch zu viele Gutachten gibt, die den Qualitätsstandards für psychologische Diagnostik nicht gerecht werden. Es gibt zwar im Feld der Rechtspsychologie verstärkt Qualitätssicherungsbemühungen, aber nicht derart hinreichend, um diesen Missstand zu beheben. 

Deswegen hat sich der Arbeitskreis 2020 aus Mitgliedern der Universtät Hamburg gegründet, um betroffenen Eltern zu ermöglichen, eine fachlich fundierte und objektive "zweite Meinung" einzuholen.

 

In 2020 wurde die Gründung des Arbeitskreises vom Transferfond der Universität Hamburg gefördert. Ziel der Förderung war es, möglichst kosteneffektive Strukturen zu schaffen, um betroffene Eltern nicht mit überbordenden Kosten zusätzlich zu belasten.

Anonymes Gutachten zum Förderantrag:

„Das Projekt, das hier beantragt wird, befasst sich mit einem
schwerwiegenden gesellschaftlichen Problem, das gerade durch die persönliche Betroffenheit der beteiligten Parteien häufig eine objektive Betrachtung erschwert. Mit dem „Gutachten-TÜV“ soll die Qualität von Gutachten in familiengerichtlichen Entscheidungen geprüft, bewertet und verbessert werden. Auf Basis der dann möglichen objektiveren Einschätzung der Gutachten können die Gerichte ihre Urteilsfindung auf eine andere Basis stellen. Zudem sollte es leichter möglich sein, ein Einverständnis der Streitparteien über die Qualität und damit den Aussagewert des Gutachtens zu erzielen. Da es sich hier um einen äußerst sensiblen und von hohen Emotionen begleiteten Bereich der Rechtsprechung handelt, von dem gerade Kinder betroffen sind, scheint die Wirkung des Projektes sehr vielversprechend und nachhaltig.“  

ABLAUF DER PRÜFUNG

 
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1. Nach Überlassung des Gutachtens wird dieses von einem Mitglied des Arbeitskreises zunächst auf methodische Mängel hin überprüft. Potentiell aufgefundene Mängel werden mit einer zweiten Person aus dem Arbeitskreis besprochen
(Vier-Augen-Prinzip).

2. Nach dieser Prüfung erfolgt eine Rückmeldung zur Qualität des Gutachtens an den/die Auftraggeber:in und eine erste Einschätzung, ob das Gutachten wissenschaftlichen Anforderungen entspricht oder ob es grobe Mängel aufweist, welche allgemein gegen ein Heranziehen dieses Gutachtens als Grundlage für eine gerichtliche Entscheidung sprechen.

3. Sollten erhebliche Mängel in einem Gutachten ersichtlich geworden sein, kann vom Arbeitskreis Qualitätsprüfung für psychologische Gutachten eine methodenkritische Stellungnahme nach Rücksprache mit den betroffenen Eltern für ein gerichtliches Verfahren erstellt werden. Diese kann als Parteienvortrag in gerichtlichen Verfahren verwendet werden. 

 
 
 
Download für psychologische Gutachter

Diese Stichproben sind online einsehbar.
Noch hat diese Homepage dort ein paar "Kinderkrankheiten" (längere Ladezeiten, nur am Desktop-PC wirklich gut einsehbar etc.), aber daran wird gearbeitet. Weitere Verfahren werden dort auch zukünftig ergänzt.

Mitglieder des Arbeitskreises bemühen sich darum, sinnvolle Referenzstichproben für psychologische Testverfahren zu erheben, um die (Daten-)Qualität von psychologischen Gutachten zu verbessern und treffendere Vergleiche von Testdaten vornehmen zu können.

Für eine genauere und detailliertere Projektvorstellung siehe: 

Bodansky, A. & Krüger, N. (2020). Äpfel mit Birnen vergleichen: Zum korrekten Einsatz von psychologischer Testdiagnostik und daraus folgende Konsequenzen im Kontext familienrechtspsychologischer Fragestellungen. Praxis der Rechtspsychologie, 30(1), 83-96.

FÜR GUTACHTENDE

 

Hier werden Exceltabellen angeboten, welche psychologische GutachterInnnen im Familienrecht potentiell nützlich finden könnten.
Damit lassen sich für einige gängige Verfahren die Mittelwerte der Skalen berechnen, so dass sich Zeit bei der Auswertung sparen lässt. 
Mit der Auswertungsdatei lassen sich z.B. kritische Differenzen berechnen. (Kritische) Rückmeldungen sind dazu herzlich erwünscht.

Tools für Gutachtende zum kostenfreien Download

Für die Teilnahme dieses Projektes am Hamburg Open Science Award 2020 wurde ein kurzes Video unter Coronabedingungen erstellt, welches dieses Projekt in spielerischer Weise vorstellt.

Projekt: Sinnvolle Referenzstichproben

 

MITARBEITER

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Dr. Nina Krüger 

Studium der Psychologie (Diplom) mit anschließender Promotion in Psychologie.

Seit 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Hamburg (Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik) tätig, davor u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Entwicklungspsychologie sowie als Lehrbeauftragte an unterschiedlichen Hochschulen. Seit 2016 in der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin, Fachkunde Verhaltenstherapie mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche und seit 2018 als klinische Psychologin tätig.

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Antonia Schubert

Studium der Psychologie (M.Sc.) 

 

Seit 2021 als wissenschaftliche Hilfskraft (Sozialpsychologie) und als Tutorin (Sozialpsychologie sowie Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik) an der Universität Hamburg tätig. Seit 2022 in der Weiterbildung zur Rechtspsychologin und als psychologische Gutachterin in familiengerichtlichen Fragestellungen praktisch tätig.

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Mieke Johannsen

Studium der Psychologie (M.Sc.)

Seit 2016 als studentische Hilfskraft (Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik) und seit 2017 als Tutorin an der Universität Hamburg (praktische Übungen zu diagnostischen Verfahren, psychodiagnostische Testverfahren, entwicklungspsychologische und pädagogische Begutachtung) tätig. Seit 2018 Mitarbeit in der begabungspsychologischen Beratung der William-Stern-Gesellschaft für Begabungsforschung und Begabtenförderung e.V.

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Dr. Alexander Bodansky

Doppelstudium der Psychologie (Diplom) und Philosophie (M.A.) mit anschließender Promotion in Psychologie.

Seit 2014 als psychologischer Gutachter in familiengerichtlichen Fragestellungen und als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hamburg (Sozialpsychologie) tätig, davor als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fernuniversität in Hagen sowie als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg als auch der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
(HAW - Soziale Arbeit). 

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Henrik Genzel

Studium der Psychologie (M.Sc.)

Seit 2020 als klinischer Psychologe tätig. Davor und immer noch in der Lehre zur psychologischen Begutachtung und Diagnostik an der Universität Hamburg tätig. Ab 2021 in der Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit der Fachkunde Verhaltenstherapie.

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Lisa Chamolly

Studium der Psychologie (M.Sc.)


Beteiligung an Forschungsprojekten im Fachbereich Sozialpsychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster 2018 und an der Universität Hamburg 2022. Masterthesis zur familienrechtspsychologischen Begutachtung. Ab 2022 in der Weiterbildung zur Rechtspsychologin und tätig als psychologische Gutachterin in familiengerichtlichen Fragestellungen.